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Heimkehr

Ich erinnere mich noch gut an die Tage, die mein Leben radikal veränderten.

Ich weis es nicht mehr ganz genau aber es müsste der Hartung, 97 Jahre nach der großen Schlacht in der Mark gewesen sein. Damals war es das letzte Mal das ich so unbeschwert nach Hause kehren konnte doch dieser Schmerz, der mich im Selihof damals erwartete, hatte mich verändert, bis heute prägt mich nun dieser Tag, der alles änderte,…….

Der Schnee lag hoch in der Heimat und ich kehrte mit meinen Truppen von den Kämpfen im Osten zurück. Ich wollte meine Hundertschaft eigentlich schon vor den Raunächten wieder in der Heimat wissen doch ich hatte den Schnee der Tage und meine mürrischen Kameraden deutlich unterschätzt. So blieb uns bei dem letzten Nachtlager vor der Heimat nichts anderes übrig als vom warmen Met zu träumen während wir den Neujahrsfeuern, die in der Ferne auf den Wardbergen brannten, entgegen blickten.

Diese Nacht war dunkler, wie so manche, die Stille meiner Kameraden und des Waldes lies uns andächtig in die Ferne schauen. Ach wie sehr wünschte ich mir damals bereits in den Hallen meines Vaters zu sitzen, den jungen Weibern hinterher blicken und mit meinen Freunden zu scherzen und zu trinken. Stattdessen saß ich mit dem Rücken an mein Pferd gelehnt in der dunklen Stille, trank die Kälte weg, und sah die Gesichter all jener, die durch meine Klinge bereits ein paar Nächte zuvor den tot fanden.

Von all den Söhnen, Vätern, Brüdern und Schwesternsöhne, die erwartet wurden, aber nie heimkehrten, weil sie sich geweigert haben, sich meinem Vater zu beugen. Welch grausame Notwendigkeit zu der wir gezwungen waren, Jahr um Jahr aufs Neue um etwas zusammen zuhalten, was brüchiger nicht sein konnte.

Ich nahm meinen letzten Schluck Met vor der Heimat und legte mich auf meine Schlafstätte ohne zu wissen was mich daheim erwartete, ohne zu wissen, was das Schicksal für mich bereithielt. Aber ich vergoss eine Träne still und heimlich eine Einzelne, für all die Toten, die ich hinter mir lies und die da kommen werden.

Nach einer kalten Nacht kurz vor der Heimat, machten wir uns bereit in diesem neuen Jahr endlich nach Hause zu kehren, zu unseren Familien, Eltern und Kindern.

Ich stand auf und packte meine Sachen zusammen. Meine Männer waren bereits unruhig, und obwohl einem die Knochen wehtaten, lachten, sangen und scherzten wir so das man uns wahrscheinlich noch bis zum Limes hörte, was natürlich absurd war.

Als alles sauber verpackt war und ich auf meinen guten alten Bîsa saß, pfiff ich zum Abmarsch. Wir marschierten durch den verschneiten Wald, nicht so geordnet wie die römischen Legionen es vermochten aber immerhin einigermaßen in Reihen und mit einer vernünftigen Rangordnung. Darauf legte ich schon viel wert.

Schon bald erreichten wir unsere Heimat, die Feuer der Herde stieg empor während sich die Häuser, Umfriedung an Umfriedung reihten. Natürlich hatten uns die Wachposten schon längst gemeldet und ein kleiner Haufen sammelte sich auf dem zentralen Platz. Seit wir den Wald verließen, wurden wir von Kinderlachen begleitet. Welch schönes Gefühl machte sich in einem breit, als man so auf den Platz zog. Siegreich, voller Stolz und das warme Wohlsein, das emporstieg, wenn man zuhause war.

Kaum auf dem Platz wurden Söhne und Männer umarmt, küsse verteilt und Respekt von den Veteranen ausgesprochen.

Die Wägen mit der Beute und dem Tribut, den wir aus dem Osten mitgebracht hatten, wurde in die Mitte des Platzes geschoben, genauso wie die Gefangenen und das mitgebrachte Vieh. Ich führte meinen geliebten Bîsa etwas abseits und gab einen lauten pfiff von mir, sodass die Wachen und Männer für ruhe sorgen.

Hört Männer, es erfüllt mich mit Stolz mit Euch gekämpft zu haben und mit noch mehr Stolz siegreich mit Euch heimgekehrt zu sein.“

Ich lies unter Jubel eine kleine Pause in meine Ansprache einfließen, und hob die Hand, um erneut für Ruhe zu sorgen.

Doch, bei Abnoba, wir haben gute Männer verloren. Die für Heimat und Familie Ihr leben Liesen. Wir wollen heute Nacht an Sie denken.“

Ich konnte einen Met gebrauchen, den mein Hals war, bereits trocken und das Schreien in die Menge strengte an doch es war notwendig.

Tragt, die Ware in die Lager wir werden Sie Morgen verteilen und Ihr Rudelführer, Ihr tapferen Krieger, seit Willkommen in den Hallen des Selihof Eures Herrn“

Mit diesen Worten und unter Jubel drehte ich ab, um jene die ich aufgerufen hatte in die Hallen meines Vaters zu führen, wo uns ein Gelage und hoffentlich warmer Met erwartete.

 

Ich blendete nach der Ansprache alles um mich herum aus und ritt gemächlich auf Bîsa nach Hause. Der Selihof nahm eine etwas größere Fläche ein. Er hatte im Gegensatz zu den anderen Bauten im Dorf eine steinerne Umfriedung und bestand aus 4 langen Gebäuden. Die den eigentlichen Hof einrahmten. Es war ein Wohnhaus für die Familie, die Halle des Herrn, einen separaten Stall und ein Wohnhaus für die anderen, die auf dem Selihof wohnten. Außerdem stand auf dem Hof ein steinerner Brunnen, der jeden Morgen mühsam mit Flusswasser aufgefüllt wurden.

Ich stieg auf dem Hof angekommen von meinem Pferd und überließ die Versorgung einem unfreien der herbeigeeilt war, als ich herkam.

Die Glieder steif von der Kälte und der Zeit vom Pferderücken, mit dem wohltuenden Gefühl des nach Hause Kommens, stapfte ich erschöpft durch den Schnee erfüllten Hof auf die Halle zu, um gleich die Heimkehr ausgiebig zu feiern.

Ich trat in die hölzerne Halle ein, die bereits von den Feuern im Innern gut erwärmt und vom Duft der Speisen er füllt, war.

Hinter mir strömten die hungrigen und durstigen Männer zu Speis und Trank. Doch ein Platz blieb leer. Der Stuhl des Herrn blieb leer. Der Stuhl meines Vaters. Stattdessen empfing mein verhasster Stiefbruder, ins seiner besten Gewandung, die Gäste der Halle und begrüßte die Meute mit seiner widerlichen jünglichen Stimme.

Ich lies ihn machen, während die Krieger bereits zu Met und Fleisch griffen. Als er seine erbärmliche Ansprache hinter sich gebracht hatte und erhobenen Hauptes zu Tisch gehen wollte. Packte ich ihn am Arm und zerrte ihn nach draußen.

Wo ist Vater?“, fragte ich meinen Stiefbruder. Doch statt einer Antwort zog seine Gewandung zu Recht und lächelte mich hinterlistig an. „WO IST VATER, SVEN?“, schrie ich ihn an. Sein lächeln gab nicht nach, und so hob ich meine Hand, um ihm sein dämliches Lächeln und die gewünschte Antwort aus ihm hinaus zu prügeln.

Doch die sanften Hände meiner Stiefmutter hielten mich zurück. Sachte drehte sie mich um und leere, tränen unterlaufene Augen blickten mir entgegen. „Er ist tot Markward…….tot.“ Die Worte waren nur ein leises Schluchzen im Wind. Ich riss mich aus Ihrem Griff und lief. Lief einfach davon.

…..Doch werde ich diesen Tag im Hartung nie vergessen denn die Worte hallen bis heute in mir nach und lassen mich meine Menschlichkeit vergessen.

 

Abb. 1: CC0 by Hans from pixabay.com

Abb. 2: CC0 by Hans from pixabay.com