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Der Wille der Götter

Es geschieht am Ende doch, was die Götter wollen denn wir haben keinen Einfluss auf Sie.

Den Weg zu meiner Prüfung werde ich nie vergessen, denn er prägte sich in mir ein wie kein anderer Weg zuvor. Das Urteil, das gesprochen wurde, war damals nicht milde, es war hart, ich war verdammt, ich war schuldig ……

Es war einige Zeit seit dem Begräbnis des alten Kunigs vergangen. Und es war an der Zeit das Abnoba einen neuen Herrn des Waldes wählte, der die Geschicke des Waldvolkes würdig zu lenken wusste. Ich hatte mich die letzten Monde und Nächte, damit auseinandergesetzt das wohl letztendlich ich diese Rolle einnehmen sollte und musste. Auch wenn ich selbst der Meinung wahr das jemand wie Artur deutlich besser dafür vorgesehen war, so funktionierte unsere Welt aber nicht.

In dieser ersten Nacht zum Winnemond trafen wir uns oben an auf den Feldern um die alte Zeremonie zu vollführen während in den Dörfern und im Tal der Winnemond gefeiert wurde und die Kinder durch die Gegend zogen um zu Walbern. Mit Fackeln standen wir hier und warteten schon viel zu lange auf meinen Stiefbruder, der jedoch nicht erscheinen würde, dafür hatten wir gesorgt. Die Priester mit den Fackeln wurden bereits unruhig, denn die Zeit drängte.

Ich blickte zu den Zeugen hinüber, bei denen auch Artur stand, und hatte ein leicht mulmiges Gefühl. Ich hatte nicht nur meinen Stiefbruder hinterrücks verraten. Ich belog auch die Priester und übte Verrat an Abnoba denn ich beeinflusste die Zeremonie und glaubte fest damit die Entscheidung über den nächsten Herrn des Waldes beeinflussen zu können.

Nun hatte die Gedult des Ältesten Priesters ein Ende, und unsere Prozession lief los.

Die Priester mit ihren Fackeln führten voran. Bei sich trugen sie die Maske des Herrn. Direkt hinter ihnen, folgten die Anwärter, was in diesem einem verräterischen Fall meine Wenigkeit war. Ganz dem Wunsch der alten Zeremonie lief ich ohne Schuhe und in alter Gewandung. Kein Schmuck, keine Waffen, kein teures Tuch. Ich würde als ich selbst vor Abnoba treten, was mir durchaus Angst bereitete. Direkt hinter mir folgten die Zeugen. Es waren zwölf an der Zahl. Für jedes Stammesgebiet des Waldvolkes war ein Zeuge dabei, der sofern der Anwärter nicht von Abnoba getötet wurde, sondern zum neuen Herrn erwählt, diese Kunde in alle Ecken des Waldes tragen konnten.

Und ich hoffte inständig, sie würden genau das tun können.

Wir liefen los, um in die heilige Schlucht hinabzusteigen. Der Weg war nicht leicht, sondern steinig und schmal. Ein falscher tritt und ich würde hinabstürzen in den tot. Unser Weg wurde von den Fackelträgern der Priester und Zeugen erleuchtet. Und die Stille des Waldes war unser Begleiter.

In dem Moment als wir den Drakenkopf passierten gab es kein zurück mehr. Zuerst gingen die Priester an ihm vorbei und der Wächter der Schlucht lies sie passieren. Mit meinen Gedanken und im Dunkeln wirkte der Stein so surreal, und ich wusste, nicht so recht ob mich Abnoba wegen meinem Verrat von ihm hinabstoßen würde. Ich zögerte und lies meine Gedanken kreisen, bis ich einen sanften Schubser erhielt, um mich an dem großen Stein vorbei zu zwängen. Und der Wächter lies mich passieren. Wir überquerten eine kleine Holzbrücke und die Stille wich, dem sanften plätschern des Wassers.

Unsere Schritte führten uns immer weiter in die Schlucht hinab. Farne säumten den Weg und die Bäume bildeten die Säulen des Heiligtums der Abnoba. Edel mutet der rote Stein meiner Heimat an, der sich an unserer Seite erhob und meine Gedanken schweiften in die Ferne und in die Freiheit. Die Luft reinigte meine Lunge und mein Geist von allem Übel, so das nichts Ferner war als die weltlichen Probleme, die uns hier hinabführten.

Am Ende unseres Weges war eine große Fläche am Grunde der Schlucht. Der Bach fiel in Form eines Wasserfalls den großen Roten Riesen vor uns hinab auf den steinernen Boden und schlängelte sich die Schlucht weiter ihrem Ende entgegen. Der Platz war vorbereitet und durch Fackeln, die die Priester bereits platziert hatten, erleuchtet. Ehrfürchtig lies ich den Ort auf mich wirken und blickte den Wasserfall empor um dort den von Fackeln erhellten Götterbaum zu sehen.


Ehrfurcht stieg in mir hoch, während der Ritus beginnen sollte. Wir stellten uns an den Wasserfall. Ich wurde von zwei Priesterhelfern flankiert und hinter uns formierten sich die Zeugen im Halbkreis, vor uns nahm der Hohepriester Aufstellung und drehte sich zum Götterbaum.


Seine Stimme hallte an diesem Ort mächtig nieder, während er Abnoba rief.

„Abnoba……….ABNOBA………..ABNOBA“

Stille kehrte ein, ich erwartete das etwas passierte doch ich glaube, meine Erwartungen an ein göttliches Zeichen waren einfach zu hoch. Dann ging der Hohepriester einen Schritt näher an den Wasserfall, um sich das Gesicht zu waschen.

„Erhör os, o du prächdige, zeig os ob der der warded würdig isch…… oder lass den im Feuer schmora…………….. ders wagd dich zu hinderganga“

Seine Rufe halten in der Schlucht wieder, worauf hin Trommelschläge einsetzten, deren Rhythmus in uns überging. In Körper und Geist. Nun gab ich Blut, mir wurde in den Arm geschnitten um das Blut am Messer, mit einem Murmeln im Wasser zu verteilen. Dann drückte man mich an den Schultern auf die Knie. Der Hohepriester kam mit einer kleinen Schale zu mir, in der eine zähe Flüssigkeit war, die furchtbar roch. Er stand vor mir und hielt die Schale mir an den Mund.

„Drink und stirb, oder Drink und Erwache“

Ich lehrte die Schüssel, auch weil ich keine andere Wahl hatte. Das Zeug schmeckte anfangs süßlich, die Konsistenz war furchtbar, und der Nachgeschmack äußerst bitter. Außerdem beruhigten die Worte nicht sonderlich, als ich „Abnobas Blut“ hinab schluckte.

Zuerst passierte gar nichts, und alle starrten mich gebannt an, dann setze Schwindel ein und mir wurde schwarz vor Augen, das wars wohl mit mir Schoss es durch meine Gedanken.

Bis heute habe ich keine Erinnerung was genau passierte, als der Schwindel einsetzte, auch wenn mir deutlich später die Horror Geschichten von diesem Moment erzählt wurden. Meine Erinnerung setzt ein, als alles vorbei war.

Mit Kopfschmerzen und ohne Zeitgefühl schlug ich meine Augen auf. Ich lag auf dem Stein Boden und mein Rücken schmerzte. Meine Gewandung war voll Blut, und Narben sollten nun mein Gesicht und meine Arme zieren. Ich stand auf und Zeugen und Priester knieten nieder, hier erwachte ein auserwählter Abnobas. Die drei Leichen zu meinen Füßen ignorierte ich.

„Der Herr des Waldes ist zurückgekehrt“ Verkündete der Hohepriester und laute Trommelschläge setzten erneut ein. Die Zeugen erhoben sich, manch einer mit einem Schrecken auf dem Gesicht. Man legte um mich einen Mantel und brachte die Maske, die mir als neuer Herr des Waldvolkes zustand. Ja hier war ich, Abnoba hatte mich erwählt, hat mir die Macht gegeben dinge zu ändern und Ihren brutalsten Krieger geschickt, verurteilt, für schuldig befunden um zu läutern, um zu reinigen.

Ich drehte mich mit angezogener Maske umher, damit wir hinaus konnten, es war an der Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen, doch zuerst musste ich erneut die Markomannen und das Waldvolk vereinen. Auf das ich Herr Ala Mannen war.

……Ich wurde damals wohl mehr vor Gericht geführt als zu meiner Zukunft. Aber so wollte es Abnoba, es sollte Blut fliesen. An Ihrem Ort verlor ich und gewann ich, dieser reine und heilige Ort war der Platz meines Gerichts.

Ich war verurteilt noch, bevor alles begann.

Es war die Geburtsstunde von Wut. Es war die Geburtsstunde von Hass. Aber es sollte auch die Zeit beginnen, die alles Veränderte. Sie sollte uns reinwaschen. Abnobna hatte nicht irgendjemand gewählt. Sie hatte einen Krieger gewählt. Und damit einen reinigenden Krieg der die Dinge ändern Würde. Zum Guten oder Schlechten.

Abb. 1: CC0 by rodrigolourenco from pixabay.com